Sprachliche Gleichbehandlung von Männern und Frauen

Das Thema ist emotional und oft geht es um viel mehr als die Sprache. Dabei profitieren gerade Texte von einem kritischen Blick auf die Geschlechter.

Geht es bei der sprachlichen Gleichbehandlung um mehr Frauen im Text?

Nein. Es geht darum, gesellschaftliche Wirklichkeit und Chancengleichheit abzubilden. Nicht selten kommt das Männern zugute, wie an genderneutralen Begriffen zu sehen ist. Gerade bei Berufen haben sich ehemals rein weibliche Bezeichnungen gewandelt: So wurde aus dem Mutterschaftsurlaub die Elternzeit, damit auch Väter Zugang zur gesetzlichen Regelung haben können. Auch der Tagesvater erhält inzwischen ein Zertifikat nach absolvierter Fortbildung und die Pflegefachkraft hat längst aufgehört, sich fälschlicherweise Krankenschwester zu nennen. Im Umkehrschluss ist es doch nur logisch, der Geschäftsführerin einer IT-Firma ebenso ihr Geschlecht zu lassen wie der Lehrerin und der Sachbearbeiterin. Oder nicht?

Sind gendersensible Texte voller Doppelformen?

Nein. Zeitgemäße Unternehmen sprechen schon längst von Beschäftigten und nicht mehr von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Wie auch der Ansprechpartner keine Partnerin an seiner Seite braucht. Er wird ganz einfach zur Ansprechperson oder im Zuge der digitalen Geschäftswelt gleich zum Kontakt. Überhaupt wird durch den genderkritischen Blick die Sprache eher knapper als länger. Denn die gendersensible Sichtweise auf bestehende Dokumente führt im besten Fall zum guten Lektorat. Was wiederum unverständliche Sätze entlarvt, unnötige Wiederholungen streicht und dafür sorgt, dass ein Text gut lesbar wird. Und das wollen doch eigentlich alle.

Macht Gendern Texte sperrig?

Nein. Denn sprachliche Gleichbehandlung beginnt mit einem Perspektivwechsel auf den Text und der Frage: Wie wichtig ist eine Person für die Botschaft im Satz? Ein Beispiel: An der Autobahn hängt ein Plakat mit der Aufschrift „Einer ist abgelenkt, vier sterben.“

Auf dem Foto sehen wir vier Frauen, die sich lachend unterhalten. Auf den ersten Blick geht es um Schuld. Ist die Frau abgelenkt? (Dann wäre es grammatisch falsch.). Oder ein anderer Fahrer, der vielleicht gerade eine SMS schreibt? Für die Botschaft ist beides unrelevant. Denn viel wichtiger als die Frage wer abgelenkt ist, ist doch wie die Ablenkung aussieht. Eine bessere Lösung wäre an dieser Stelle deshalb: „Einmal abgelenkt, vier sterben.“ So wäre der Blick aufs Plakat bereits die Erfahrung, wie schnell Menschen am Steuer sich ablenken lassen. Und führte im besten Falle zur Selbstreflexion. Ganz ohne Gender.

Wer mehr erfahren möchten, wie Gendern Texte nicht nür kürzer, sondern besser machen kann, besucht einen meiner Workshops zur Sprachlichen Gleichbehandlung: inhouse für Abteilungen und Teams, individuell designt für Ihren Bereich nach zeitgemäßen Standards.